LIBS Blog

Der Blog für lesbische und bisexuelle Mädchen, Frauen und Transgender

CSD – LIBS-Nachlese

22. Juli 2016 von libs

2011 hatte sich LIBS eine “Denkpause” erlaubt, weil sich der Verein nicht mit dem Motto “Einigkeit und Recht auf Gleichheit” identifizieren konnte. Weil das damalige Motto zu nationalistisch klang und uns die Diskussion über rechte Strömungen und Rassismus – auch innerhalb der Szene – fehlte. Aber auch: Weil es damals keine Bereitschaft der CSD-Veranstalter_innen gab, mit uns und anderen Kritiker_innen des Mottos eine Diskusssion zu führen.

Dieses Jahr war die Situation anders. Wir hatten das politisch motivierte Motto: Liebe gegen Rechts. Und im Vorfeld hatte schon das ursprüngliche Motto “Lieb geil” mit Nazi-Schrift und einer begleitenden Hitlerkarikatur als Beigabe viele Diskussionen entfacht. Das ursprüngliche Motto “Lieb geil” hatten so viele Personen und Vereine problematisch gefunden, dass Protest, Boykott und Gegenaktionen zu erwarten waren und so das Motto glücklicherweise geändert wurde. Vielleicht hätten wir das vorher diskutieren sollen.

Mit “Liebe gegen Rechts” konnten die meisten offensichtlich leben. Die hohen Besucherzahlen zeigen, dass CSD funktioniert. Aber funktioniert auch die Community, für die der CSD ja irgendwie steht? Einigkeit wurde 2011 proklamiert, aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Es scheint, als hätte die eindeutige Positionierung des Frankfurter CSD gegen Rechts die Einigkeit der LGBT*-Community wieder hergestellt. Zumindest hat sie einen sehr breiten gemeinsamen Nenner geschaffen.

Treffpunkt für die Schulkinder aus Regenbogenfamilien am LIBS-Stand: Spaß bei gemeinsamer Button-Herstellung am Samstag

Vielleicht deshalb, weil die Welt es erfordert: Mehr rechte Demagogie und Gewalt bedeuten auch mehr offene Homophobie und Agitation gegen lesbische, trans* und schwule Lebensweisen. Es bedeutet: Mehr persönliche Beleidigung, Kränkung und Verfolgung von LGBT* in der Realität und im Netz, z.B. auch von Einzelpersonen, wie wir es schon in der Debatte um sexuelle Vielfalt in der Bildung in Baden-Württemberg erlebt haben. LGBT*-Personen und Unterstützer_innen könnte genau das wieder zusammenbringen – gegen das, was sich in der Gesellschaft zusammengebraut hat. Viele reden davon, dass LGBT* nun alles erreicht hätten. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Es darf ganz offen gegen LGBT* und andere Minoritäten gehetzt werden.

LIBS bekommt einen Scheck, eine Spende von 1000 EUR vom CSD-Verein - wir freuen uns!

Es ist nicht gut, dass es diesen Backlash gibt. Aber es ist gut, das klar zu benennen und sich dagegen zu stellen. Dafür müssen wir nicht alle gleich und einig sein. Im Gegenteil: Je vielfältiger, desto besser. Dafür ist es aber erforderlich, breit zu denken. Und miteinander zu reden. Das ist komplex, vielleicht auch kompliziert. Aber es könnte ein Lernprozess sein und die LGBT*-Community wirklich in die Realität bringen – nicht nur als sprachliche Konstruktion in Zeitungen und Reden, sondern auch als agierende Gruppe. Dazu würden auch Unterstützer_innen wie Mütter und Väter von Lesben, Schwulen, trans* und queer Personen gehören – z.B. als Fußgruppe auf dem CSD. Oder die Chef_innen und Kolleg_innen in offener solidarischer Aktion, gern mit eigenem Wagen. Es muss ja nicht der Firmenwagen sein. Das wäre eine echte konzertierte Demonstration von Vielfalt. Davor wäre allerdings noch einiges zu besprechen.

CSD in der Hessenschau: http://hessenschau.de/panorama/csd-feiert-liebe-gegen-rechts,csd-frankfurt-100.html

CSD-Homepage: http://www.csd-frankfurt.de/

CSD in der FR: http://www.fr-online.de/frankfurt/csd-in-frankfurt-regenbogenfarben-auf-dem-roemer,1472798,34505440.html

LIBS-Stellungnahme zur Änderung des CSD-Mottos: http://libs.w4w.net/index.php/veranstaltungen/csd-motto-stellungnahme

Abgelegt in Allgemein | 0 Kommentare »

CSD-Parade: Gemischte Gefühle und Nachdenken über Liebe

22. Juli 2016 von libs

Gastbeitrag von Annie

Zum ersten Mal seit Jahren gehe ich wieder auf der Parade mit. Ich hatte meist keine richtige Lust mitzulaufen: zu laut, zu eng, zu viele halbnackte Männerkörper. Ganz am Anfang meines bewussten Lesben-Daseins, als ich ein paar Jahre out war, wollte ich dabei sein. Mich politisch bewegen. In der Community. Dieses Jahr will ich mitlaufen – ich weiß nicht genau, warum. Es gab Orlando. Es gibt “besorgte Eltern”. Es gibt Evangelikale in Hessen und anderswo, die Jugendliche manipulieren. Vielleicht will ich deshalb mitlaufen. Ich laufe mit vielen anderen in der Hitze des Tages. Um mich herum tänzelnde, tanzende Menschen, Transparente. Freundlich zuschauende Massen am Rand, wirkliche Massen, ich komme mir vor wie im Zoo.

Aber ja, so war es doch auch früher. Ich höre später: 8000 Personen auf der Parade. Je nach Zone gibt es vereinzelt strenge Gesichter, das ist vielleicht Typ-Sache, aber möglicherweise politisch gemeint. Ich bin misstrauisch. Suche ich mögliche Feinde? Ein Balkon ist eingerahmt von lauter kleinen Deutschlandflaggen, sie umwehen das Geländer im 4. oder 5. Stock, auf dem ein junger Mensch mit asiatischen Gesichtszügen steht. Hoch über uns. Dann: Mitwippende Menschen in offenen Fenster. Weiter: Ein einsamer LKW steht in der Mitte einer Verkehrsinsel und eine Schreckminute vergeht, bis ich verstanden habe, was passiert ist: Mein Inneres hat sich an Nizza erinnert. Paranoia? Vorne, am Anfang der Parade, sagt man mir, wird Orlando gedacht. Das ist gut. Ich denke auch daran, frage mich, ob es einen Schatten wirft. Zu sehen ist nichts: Fröhliche Menschen feiern, tanzen. Aber überall dort, wo ich im Gespräch andeute, dass ich auch mulmige Gefühle habe, unsortiert, im Hintergrund auf- und abschwebend, da wird mir recht gegeben. Ja, mir geht’s auch so. Manchmal kommt mir so ein Bild, ein Gedanke. Die Welt ist anders geworden. Ist sie?

Ein paar Tage später, am 21.7., wird die CSD-Parade in Jerusalem der Messerattacke im letzten Jahr gedenken, die ein fanatischer Gläubiger auf Teilnehmer_innen der Parade verübte. Es gab dabei eine Tote, der das Gedenken der Community gilt. Einige israelische Politiker nehmen an der Parade teil. Der Jerusalemer Bürgermeister nicht. Die Religion, die Raum für Besinnung, Läuterung, Liebe geben soll, spielt eine starke Rolle bei Homophobie in ihren gewaltsamsten Ausformungen.

Das Frankfurter Motto ist: Liebe gegen rechts. Eine klare Position, die sich vor allem auf Deutschland, auf die aktuellen rechten Kräfte bezieht. Liebe, denke ich, wäre auch gut gegen Hass und Gewalt generell, gegen Liebesentzug von Eltern, die ihre trans*, lesbischen, queeren, schwulen oder sonstwie “nicht normalen” Kinder abstrafen, gegen Evangelikale, die vorgeben, Jugendliche zu schützen, indem sie sie zu Heterosexualität umerziehen wollen mithilfe von Gehirnwäsche. Liebe gegen alle, die sich scheinbar ums Kindeswohl sorgen und genau gegen das Kindeswohl agieren, indem sie keine Gleichstellung bei Adoption und Sorgerecht für Regenbogenfamilien herstellen. Liebe gegen diejenigen, die ein Zurück zu den traditionellen Geschlechterrollen fordern, um ihre Privilegien zu erhalten, weil sie Uneindeutigkeiten nicht aushalten – zeigen sie ihnen doch, wie unrecht sie haben, dass es kein natürliches Gesetz der Körper gibt, das uns Menschen eindeutig sagt, wie wir zu leben haben und wer die Macht hat.

Aber kann man “Liebe gegen …” fordern? Ist Liebe nicht genau das Gefühl, dass alles mit einschließt? Das eben nicht polarisiert, sondern eint, das nicht trennt, sondern zusammenbringt?Ist es nicht ein Widerspruch zu fordern, liebend gegen etwas zu sein?

Vielleicht beschreibt dieser Widerspruch etwas Grundlegendes: unseren Wunsch zu lieben, zusammenzugehören, ein Wir-Gefühl zu haben und gleichzeitig die Notwendigkeit, Positionen herzustellen gegen das, was uns kaputt macht, sich gegen uns richtet und Hass schürt. Vermutlich müssen wir in dieser Welt, in der nun Hass verstärkt und offener in allen möglichen Formen gegen alle möglichen Minderheiten, aber auch Mehrheiten auftritt, in der Lage sein, deutlich Position zu beziehen und dennoch unsere Liebe zu uns selbst und anderen nicht zu verlieren. Gemischte Gefühle sind angebracht.

Abgelegt in Allgemein | 0 Kommentare »

“Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert” – Nach-Nachlese

3. Mai 2016 von libs

Eien kleine Anekdote darf noch zur Lesung im LIBS am 13. April hinzugefügt werden – letzter Artikel: Die Autorin Corinne Rufli hatte das Publikum aufgefordert, nach der Lesung noch zu Ricky ins La Gata zu gehen – sie wollte einmal die legendäre Damenbar sehen. Corinne erlebte dort, wie sie selber sagt, einen „unvergesslichen Abend“ mit schnulziger Musik, körperbetontem Tanz, sehr viel Gelächter – und tollen Frankfurterinnen!

Vielleicht ein kleiner Anreiz, das La Gata selbst mal wieder auszuprobieren. Und zumindest ein würdiger Anlass, sich legendärer Lesbenorte zu erinnern, die es leider fast nicht mehr gibt. Mit diesem Schlusswort sei an die LIBS-Subtour erinnert, die wir verschieben mussten:

LIBS Subtour NEUER TERMIN: Freitag, 19.08., 19.00 bis ca. 23.00 Uhr
Kosten: 12 EUR, Ermäßigung nach Absprache möglich
Anmeldung im LIBS: info@libs.w4w.net / 069 – 28 28 83

Subtour von EVA in Kooperation mit LIBS: Freitag, 17.6., 18.00 bis ca. 23.00 Uhr
Kosten: 5 EUR
Anmeldung im EVA! eva-frauenzentrum@frankfurt-evangelisch.de / 069 – 92 07 08 0

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

Frauenliebende Frauen über 70 – Lesung mit Tiefgang mit Corinne Rufli

23. April 2016 von libs

Am Mittwoch, den 13. April veranstaltete LIBS einen Lese- und Gesprächsabend mit der Schweizer Autorin Corinne Rufli. Sie hat ein Buch veröffentlich mit dem Titel “Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert” - Frauenliebende Frauen über siebzig erzählen. Elf Frauen erzählen darin ihre Lebens- und Liebesgeschichten. Es ist ein gleichzeitig ernstes wie heiteres Buch, reich an Lebenserfahrungen, Liebe, Umwegen; und die einzelnen Schicksale berühren, ohne zu beschweren.

Für die Schweiz wie für Deutschland gilt: Ältere Frauen, die Frauen lieben, sind in der Gesellschaft nicht sichtbar. Indem sie erzählen, ändert sich dies: Wir erfahren, wie sie auf ihr Leben zurückblicken, wie sie ihre Beziehungen in der bürgerlichen Enge gestalteten, wie sie einen Mann heirateten oder sich in eine Frau verliebten und wie sie heute leben.

Corinne Rufli erzählt, dass es ihr wichtig war, die Frauen mit eigener Stimme sprechen zu lassen und den von ihr transkribierten (Hör-)Text möglichst nah an der Sprache der Frauen zu verschriftlichen. Das ist geglückt. Es befindet sich ein Glossar am Ende des Buches, dass es den “hochdeutschen” Leser_innen ermöglicht, die schweizerischen Ausdrücke zu verstehen. Da die Frauen sehr konkret erzählen, ist es in keinster Weise schwierig, den einzelnen Geschichten zu folgen. Im Gegenteil, die Leserin lebt mit jeder Lebenserzählung ein kleines Stück Geschichte mit.

Für die Autorin war es ebenfalls wichtig, erzählt sie, dass es Fotos der Frauen im Buch gibt. Sie berichtet bei der Veranstaltung von der Entstehungsgeschichte und dass es ihr nicht schwerfiel, mit den Einzelnen ins Gespräch zu kommen, Vertrauen zu gewinnnen und die Frauen zum Sprechen zu bewegen. Das Zuhlören, sagt sie, sei eine wichtige Eigenschaft dabei. Hervorgegangen aus einer wissenschaftlichen Arbeit, ist das Buch heute ein Erfolg für den kleinen Schweizer Verlag “Hier & Jetzt”, denn die Lesungen sind sehr gut besucht und das Buch verkauft sich; mittlerweile ist schon die 3. Auflage in Arbeit.

Corinne Rufli im LIBS

Das Buch hat etwas ausgelöst in der Schweiz: die Vernissage wurde quasi gestürmt und viele Diskussionen über lesbische Liebe fanden nun plötzlich in der Öffentlichkeit statt. Ein Paar, Karin und Eva, die im Buch vertreten sind, wurden im Schweizer Fernshehen interviewt. Es wird deutlich, dass das Thema der frauenliebenden älteren Frauen eine starke Resonanz hervorruft und dass es Offenheit und Interesse dafür gibt. Bei den Frauen selber, die ihre Geschichten erzählt haben, erzählt Corinne Rufli, hat die Veröffentlichung ebenfalls Veränderungen bewirkt: Es seien positive Veränderungen in Richtung von mehr Akzeptanz und auch Stolz auf die eigene Geschichte.

In Deutschland gibt es bislang kaum Literatur, die biografisch die Lebenswege älterer Lesben dokumentiert und der Öffentlichkeit präsentiert. Aus diesem Grund war es LIBS wichtig, diesen Lese- und Gesprächsabend durchzuführen und so ältere Lesben mit ihren Lebensweisen sichtbar zu machen.

Mit 20 Besucherinnen war die Veranstaltung im EG der Alten Gasse 38 gut besucht. Dr. Doris Gruber stellte Corinne Rufli vor und führte ein kurzes Interview mit der Autorin, das ins Thema einführte. Den Hauptteil des Abends bildete die sehr lebendige Lesung, bei der Corinne Rufli längere Passagen des Buches vorstellte. Ein Gespräch mit dem Publikum rundete den Abend ab. Die zahlreichen Reaktionen und Beiträge der Besucherinnen zeigten, dass die Autorin und die Geschichten berührt haben.

Das Buch von Corinne Rufli kann im Buchhandel bezogen werden: “Seit dieser Nacht war ich wie verzaubert” – Frauenliebende Frauen über siebzig erzählen. Hier & Jetzt Verlag. 2015

Verlagsseite: Hier & Jetzt Verlag

Blog Lesbengeschichte in der Schweiz mit Infos zur Lesetour und zum Buch

Abgelegt in Allgemein, Frankfurt, LIBS, Lesben bundesweit, Lesben international | Kommentare deaktiviert

Selbstbestimmt Leben – Selbstbestimmt Sterben

13. Februar 2015 von libs

Veranstaltungsreihe für lesbisch lebende Frauen und Transgender zu Eingetragener Lebenspartnerschaft, Vorsorge, Sterben und Tod

Lesbisch lebende Frauen und Transgender haben sich häufig schon mit selbstgewählten und selbstbestimmten Lebensformen beschäftigt – wir wollen dies mit aktuellen Informationen und Raum für Austausch und Auseinandersetzung ergänzen. Dabei stehen existenzielle Themen im Fokus wie Tod und Trauer, aber auch Formen des gemeinsamen Lebens, der Versorgung und Vorsorge inner- und außerhalb einer Lebenspartnerschaft.

Alles Gleich?
Ehe und Eingetragene Lebenspartnerschaft

Vortrag und Diskussion mit Sabine Platt, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht
Welche rechtlichen Unterschiede gibt es? Passen die rechtlichen Regelungen für heterosexuelle Ehen für lesbische Paare und welche Möglichkeiten der privaten Gestaltung gibt es? Was bedeutet die Gleichstellung mit herkömmlichen Ehen an Rechten und Pflichten für die Beteiligten, insbesondere bei Trennung und Scheidung sowie im Todesfall? Diese und weitere Inhalte wird Sabine Platt ausführen, Teilnehmende können Fragen einbringen.
Termin: Montag, 2.3., 19.00 Uhr

Für sich und andere sorgen – Patientinnen-, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Erbrecht im Überblick

Vortrag und Diskussion mit Sabine Platt, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht
Was sind wesentliche Inhalte von Patientinnenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht? Was ist bei der Erstellung von Verfügungen für den Notfall rechtlich zu beachten? Wo liegen die Unterschiede zwischen gesetzlicher und testamentarischer Erbfolge? Sind Besonderheiten für eingetragene, nicht eingetragene Lebenspartnerinnen
und allein lebende Frauen zu beachten? Diese und weitere Fragen zum Thema wird Sabine Platt beantworten.
Termin: Montag, 16.11., 19.00 Uhr

Leben ohne Dich – Ein Nachmittag für Frauen, die ihre Liebste durch Tod verloren haben

Der von der Bestatterin und Trauerbegleiterin Sabine Eller moderierte Nachmittag bietet die Möglichkeit, sich miteinander über den Tod der Geliebten, über den Verlust und die eigene Trauer auszutauschen. Es ist Ihre Zeit, bringen Sie Ihre Themen ein.
Termin: Sonntag 26.4., 15.00 bis 18.00 Uhr

Endlich Leben – Ein Gesprächsabend über Leben und Tod und die kostbare Zeit um Tod und Bestattung

Vortrag und Diskussion mit Sabine Eller, Bestatterin, Trauerbegleiterin, ehemalige Darmstädter Frauenbeauftragte
Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens Verluste. Dieser Abend ist eine Einladung, sich den Themen Sterben, Tod und Leben zuzuwenden. Eine Gelegenheit, zu beleuchten, wie eine einfühlsame und respektvolle Begleitung beim Abschiednehmen und Sterben aussehen kann. Wie Übergänge gestaltet und Rituale gefunden werden können. Wie Gefühle, auch Ängste, Raum und Ausdruck bekommen können.
Termin: Mittwoch, 30.9., 19.00 Uhr

Eine Reise ins Ungewisse – Lese- und Gesprächsabend zum Thema Sterben und die Freiheit, selbst zu entscheiden

Lesung: Traude Bührmann stellt ihr neues Buch ‘COCKTAILSTUNDE’ vor
Begleitet von ihren engsten Freundinnen fliegt Charlott in die Schweiz. Früher war sie eine bekannte Performancekünstlerin und Autorin, doch ihre Auftritte und Bücher sind kaum noch gefragt. Auch eine fortschreitende Krankheit schränkt sie täglich mehr ein. Es geht um Leben und Tod und die Freiheit, selbst zu entscheiden.
Im Anschluss findet ein moderiertes Gespräch zum Thema statt.
Termin: Mittwoch, 6.5., 19.30 Uhr

Anmeldung + Veranstaltungsort: LIBS e.V., Alte Gasse 38, 60313 Frankfurt am Main, 069 – 28 28 83, info@libs.w4w.net

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

GLEICH und GLEICH ist DIFFERENT?

20. Oktober 2014 von libs

Zwei moderierte Gesprächsabende  für beratende, therapeutische und pädagogische Fachkräfte

Gleich und gleich – Frau liebt Frau: Diese Tatsache erscheint vielen als kein Problem mehr. Unter der toleranten Oberfläche unserer multimedialen Gesellschaft finden jedoch zwingende Normierungen, Ausgrenzungsdynamiken und Diskriminierungen statt, die für viele nicht-heterosexuell lebende Menschen gelten, sie einschränken und auch verletzen. Fachkräfte im Beratungs- und Therapiekontext sind angehalten, mögliche Differenzen und Gleichheiten hetero-, bi- und homosexueller Klient_innen wahrzunehmen und eine eigene Position zu beziehen.  Wir wollen mit diesen Veranstaltungen Raum dafür bieten:

  • Lesbische und bisexuelle Frauen/Paare als Klientinnen zu fokussieren
  • Gleichheit und Differenz zu diskutieren sowie
  • Positionen als Berater_in oder Therapeut_in zum Thema Hetero-/Bi-/Homosexualität zu reflektieren.

Gesprächsabend 1: Mittwoch, 29.10.

Lesbische und bisexuelle Klientinnen in Beratung und Therapie

Im Fokus der Veranstaltung steht der fachliche Austausch zu Aspekten der Beratungs-  bzw. therapeutischen Arbeit mit lesbischen und bisexuellen Klientinnen. Als Einführung ins Thema dient ein kurzes Impulsreferat, das dann zusammen mit Ihren Praxiserfahrungen die Basis gemeinsamen Diskutierens und Austausches bildet.

Dabei können Fragen auftauchen wie: Gibt es überhaupt spezifische Bedarfe und Problemlagen lesbischer und bisexueller Klientinnen? Welche Gleichheiten, welche Ungleichheiten bestehen in Bezug auf Erfahrungen und erlebte Realität? Welche Berührungspunkte haben professionell Beratende und wie positionieren sie sich? Von welchen Vorannahmen, Überzeugungen oder (Un-)Sicherheiten gehen sie aus und wie bringen sie diese wieder in den Prozess ein?

Teilnehmende haben die Möglichkeit, eigene Fragen und Themen einzubringen und Beispiele zu diskutieren.

Gesprächsabend 2: Montag, 10.11.

Lesbische Paare in der Beratung

Auch in der zweiten Veranstaltung liegt der Schwerpunkt auf dem fachlichen Austausch. Im Fokus stehen lesbische Paare als Klientinnen der Paarberatung und Paartherapie. Das Thema wird in einem kurzen Impulsreferat eingeführt.

Im folgenden Fachgespräch mit den Teilnehmenden kann es um so verschiedene Aspekte gehen wie die konkreten Lebensrealitäten lesbischer Paare, in die Beratung eingebrachte Probleme und Themen dieser Paare, Sexualität/en, (nicht) spezifische Paardynamiken, mögliche Vorannahmen oder Haltungen gegenüber Frauenpaaren, gesellschaftliche Bilder sowie fachliche und mediale Konzepte lesbischer Paare.

Veranstaltungszeit: jeweils 19.00 – 21.00 Uhr

Ort:  EVA, Evangelisches Frauenbegegnungszentrum, Saalgasse 15

Kostenbeitrag: 15 EUR je Abend

Moderation und Impulsreferat: Dr. Doris Gruber und Heike Beck, LIBS e.V.

Veranstalterin: LIBS e.V. Infoflyer: Gleichundgleich

Bitte im LIBS anmelden! 069 – 28 28 83 / info@libs.w4w.net – oder über das Anmeldeformular im Flyer

Eine Veranstaltungsreihe mit freundlicher Unterstützung vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

Lesben und Kirche

23. September 2014 von Lina S.

Eines der meist diskutierten Themen bzgl. Homosexualität ist das Spannungsfeld Homosexualität und Kirche. Kaum einer Lesbe wird die Situation unbekannt sein, in welcher das Thema Glaube angeschnitten wird. So wurde auch ich in der letzten Woche in meinem Bekanntenkreis wiederholt mit dem Thema konfrontiert und konnte mein Entsetzen kaum verbergen.

Im ersten Falle wurde SchülerInnen einer sechsten Klasse im Biologieunterricht vermittelt, dass Homosexuelle ihre sexuelle Orientierung frei wählen können. Sie würden sich bewusst dazu entscheiden, als Frau eine Frau lieben zu wollen und als Mann einen Mann.

Im zweiten Falle wurde im Religionsunterricht einer achten Klasse kundgetan, dass gleichgeschlechtliche Liebe nicht gottgewollt sei und somit auch in Gesellschaft und Religion nicht anerkannt sein sollte.

Angesichts nicht nur dieser beiden Beispiele stellt sich mir die Frage, in welchem Schulsystem Kinder und Jugendliche unterrichtet werden, wenn sie solche Aussagen als Orientierung erhalten. Es handelt sich ja um Kinder und Jugendliche, die sich in den meisten Fällen vermutlich noch nicht weiter mit dem Thema Homosexualität beschäftigt haben – und wenn, dann möglicherweise, weil sie sich fragen oder vielleicht feststellen, ob oder dass sie sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen. Angesichts solcher “pädagogischer Aussagen” besteht weiterhin die schon seit Jahrzehnten bekannte Gefahr, dass sich homosexuell orientierende Heranwachsende schämen, zurückziehen und durch Selbstverleugung krank werden. Und auch: dass sie häufiger als heterosexuell orientierte Gleichaltrige Suizid begehen. Angesichts dieser bekannten Zustände stellt sich mir immer stärker die Frage, ob die Menschheit nicht aus vergangenen Zeiten gelernt hat?

Während sich die Evangelische Kirche derzeit zumindest ansatzweise für die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzt, scheint ein Umdenken der Katholischen Kirche noch weit entfernt. Hierbei kommen zwei unterschiedliche Orientierungen im Glauben zum Tragen. Die erste Einstellung ist diejenige, dass Homosexualität angeboren und nicht veränderlich sei. Die Evangelische Kirche in Deutschland formuliert die These:

Homosexualität ist eine Prägung , die unveränderbar ist und auch keiner Korrektur bedarf. Veränderungsversuche behindern oder verhindern die notwendige Selbstannahme. Sie führen nur dazu, daß Menschen deformiert oder gebrochen werden. (EKD)

Demgegenüber besteht die Ansicht, Homosexualität sei eine selbst gewählte Orientierung, welche einer Veränderung bedarf, über welche der oder die Homosexuelle zu einem erfüllten Leben gelange. (Vgl. ebd.)

Beide Ansichten können über unterschiedliche Bibelstellen belegt oder widerlegt werden. Doch sollte nicht bereits diese Tatsache dazu führen, Lesben und Schwule in der Kirche ebenfalls zu Wort kommen zu lassen? So schreibt die Bibel: „Liebe deinen Nächsten“ und unterscheidet diesbezüglich weder nach Geschlecht, noch nach Hautfarbe, noch nach sexueller Orientierung (vgl. http://www.bibel-online.net/).

Die evangelische Kirche geht bereits einen Schritt weiter. Sie stellt die Existenz der Kirche und deren Einrichtungen ohne Lesben und Schwule in Frage. So ist bekannt, dass bis zu 60% des Klerus, also der katholischen Geistlichkeit/Priesterschaft homosexuell sind (https://aktuell.evangelisch.de/). Weshalb jedoch versucht besonders die katholische Kirche, das Thema Homosexualität durch Hetze oder Schweigen zu verdrängen? Ist es die Angst vor dem Unbekannten? Die Angst, der Realität ins Auge sehen zu müssen? Sich eigene Fehler im Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten eingestehen zu müssen? Möglicherweise unchristliches Verhalten toleriert zu haben?

An diesem Punkt hilft wohl lediglich das Outing möglichst vieler Lesben und Schwuler, die aktiv glauben, um die Angst vor dem Unbekannten zu verringern. Es ist wohl keine Frage der Schuld, wer an welchem Punkt einen Fehler begangen hat. Vielmehr ist es das Verzeihen, das Christen besonders hoch ansehen, aber auch der Hinweis darauf, dass Gott die Menschheit geschaffen hat und alle seine „Schäfchen“ liebt. Hierbei schließt er keine Hautfarbe, keine sexuelle Orientierung aus. Wo also liegt das Problem in einem (kirchlichen) Miteinander?

Quellen:

http://www.bibel-online.net/suche/?qs=%22Liebe+deinen+N%C3%A4chsten+wie+dich+selbst.%22&translation=6 (Stand: 15.09.2014)

http://www.ekd.de/familie/44736.html (Stand: 15.09.2014)

https://aktuell.evangelisch.de/artikel/95471/ohne-homosexuelle-waere-die-kirche-aufgeschmissen (Stand: 15.09.2014)

Wir weisen an dieser Stelle auf eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Frankfurt hin: “Kirchliche Trauung homosexueller Paare? Eine theologische Stellungnahme” am 15.10. www.evangelische-akademie.de

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

SUBTOUR

24. Juli 2014 von libs
Die Subtour – der LIBS-Klassiker seit 20 Jahren: Gemeinsam die Orte lesbischer Szene in Frankfurt entdecken, Neues erfahren, andere kennenlernen …
Dich erwartet ein gemeinsamer Streifzug mit anderen Frauen/Lesben durch die „klassischen“ und neueren Orte der Frankfurter Lesbenkultur.
Na, neugierig geworden?

Termin: Freitag, 1. August 2013
Beginn: 19 bis ca. 23 Uhr, Treffpunkt im EVA, Saalgasse 15, 60311 Frankfurt
Kosten: 10 EUR
Bitte im LIBS anmelden! info@libs.w4w.net / 069 – 28 28 83

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

Homosexualität und Fußball …

1. Juli 2014 von Lina S.

… oder doch eher “Mannschaft Homosexualität” gegen “Mannschaft Fußball”?

Im Januar 2014 wurden die Diskussionen über Homosexualität im Sport, insbesondere im Fußball, durch das Outing von Thomas Hitzelsperger angetrieben. Sein letzter Verein war der FC Evelton bis September 2013, als Hitzelsperger seine Karriere verletzungsbedingt beendete. Die Diskussionen um das Thema lassen nicht nach: Nach den Olympischen Spielen in Sotschi diesen Jahres, in welchen der eine oder die andere SportlerIn ihre Solidarität gegenüber Lesben und Schwulen zum Ausdruck brachte, stellt sich nun die Frage, weshalb Homosexualität im Fußball auch weiterhin ein Tabu-Thema ist.

Die Brisanz des Themas wird besonders bei den Spielen der Mexikaner deutlich. Die gröhlenden Fanchöre, die den gegnerischen Mannschaften geschlossen “puto” entgegenschreien, was übersetzt so viel wie „Schwuchtel“ heißt, zeigen dies mit Nachdruck: ”puta” in der weiblichen Form heißt so viel wie „Nutte“. Der Ausdruck, der angeblich nur darauf zielt, die gegnerische Mannschaft zu verwirren, wird in seiner Bedeutung wie „Schwächling“ verwendet. Die Gleichsetzung eines „Schwächlings“ mit „Schwulen“ zeigt deutlich, dass Homosexualität im Profisport noch immer keine Akzeptanz erfährt.

Auch die FIFA schürt die Diskussion um Homosexualität im Fußball weiter. Ihr Argument: Da das Wort “puto” lediglich dazu verwendet werde, den Gegner zu verwirren, und die Bedeutung nicht auf der Aussage der Homosexualität liege, sei es den Fans nicht untersagt, “puto” gemeinschaftlich zu schreien. Die mexikanische Antidiskriminierungsstelle hingegen übte diesbezüglich Kritik an der FIFA – zu Recht, wie ich finde. Den ganzen Beitrag lesen »

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

“Demo für alle” oder “Demo GEGEN sexuelle Vielfalt”?

16. April 2014 von libs

von Lina S.

Am 05. April 2014 fand in Stuttgart zum dritten Male die so genannte “Demo für alle” statt. Angelehnt an die “Manif pour tous” (übersetzt ebenfalls: “Demo für alle”) in Paris, zu welcher sich im Februar etwa 100.000 Menschen versammelten, protestierten in Stuttgart circa 2500 Menschen gegen den rot-grünen Bildungsplan in Baden Württemberg und die sogenannte “Frühsexualisierung von Kindern”.
Der Bildungsplan hat zum Ziel, die fünf Leitprinzipien “Berufliche Orientierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Prävention und Gesundheitsförderung, [sowie] Verbraucherbildung” um eine sechste Leitperspektive der “Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt” zu ergänzen. Den ganzen Beitrag lesen »

Abgelegt in Allgemein | Kommentare deaktiviert

« Vorherige Einträge