26. März 2012 von
libs
Zum 20-jährigen Jubiläum von LIBS sind wir erst mal eine Weile untergetaucht … zum Vorbereiten, Resümieren, Schreiben … im Laufe der nächsten Wochen wollen wir uns zum Geburtstag präsentieren. Heute schon mal mit einem Artikel, der aus der LIBS-Geschichte plaudert.
Sichtbar, politisch, persönlich engagiert: Im Gespräch mit zwei LIBS-Gründerinnen
Wer und was hat die Gründung von LIBS bewegt? Um dieser Frage nachzugehen, treffe ich Ute Kraft, eine der beiden zentralen Kräfte bei der LIBS-Entstehung. LIBS wurde 1992 als Verein gegründet, war aber vorher schon mit Beratungs- und Gruppenangeboten präsent. Ute erzählt, dass sie sich Ende 1989 mit Andrea traf, um Ideen für eine Lesbenberatungsstelle auszutauschen: „Unsere Vorstellungen stimmten ziemlich gut überein, sodass wir Gas gegeben haben.“ Über LLL beginnen sie mit der LIBS-Arbeit und teilen sich die Räumlichkeiten in der Rotlintstraße mit anderen Gruppen.
„Wir haben enorm politisch gearbeitet. Wir haben wirklich den politischen Aspekt von Unterdrückung und Diskriminierung in den Vordergrund gestellt“, erzählt Ute. Den Arbeitsschwerpunkt bilden Beratung und Gruppenarbeit. Auch bei Angeboten wie der Subtour gilt: „Wir haben die Orte von Lesben aufgesucht, nicht weil wir eine Disco nach der anderen gesucht haben, sondern aus dem politischen Aspekt heraus.“ LIBS beteiligt sich an der Organisation der Homosolidaritätswoche mit politischen und kulturellen Veranstaltungen lesbisch-schwuler Initiativen, Vorläufer des CSD in Frankfurt.
Andrea und Ute haben feste Stellen, aber das Budget ist nicht sicher. „Man war genügsam in der Zeit“, erinnert sich Ute, „wir haben von dem Budget die gesamte Arbeit bezahlt. Wir haben jeden Abend Telefondienst angeboten, und wenn die eine Telefondienst hatte, hatte die andere Gruppe oder Einzelgespräche. Oder am Wochenende auch Gruppen. Und ganz viel Abendveranstaltungen.“ Zu jener Zeit boten sie auch einen Spieleabend an: „Das war Wahnsinn, was das für einen Zulauf hatte!“
An den „legendären Spieleabend“ erinnert sich auch Beatrix Baumann, die LIBS als Besucherin nutzte, zudem zu den Vereinsgründerinnen gehört und heute bei den Grünen politisch aktiv ist. „Ich fand die Idee, eine Lesbenberatungsstelle mit solchen Angeboten zu machen, einfach klasse“, erzählt sie. „Ich finde, dass es dafür einen Bedarf gegeben hat und dass es den auch jetzt noch gibt.“ Zum Beispiel nach lesbischen Coming-out-Gruppen, die sie zeitweise mit leitet. Auch sie war politisch motiviert: „Jede Institution für Lesben ist ein Schritt zu gesellschaftlicher Anerkennung.“ Und „dass Frankfurt sagt, jawohl, wir finanzieren das, das ist eine Anerkennung für die Menschen.“
Sichtbarkeit spielt dabei eine wesentliche Rolle. Ute erzählt: „Die Frauen, die damals gekommen sind, waren von dem Gedanken angesprochen, ‚Wir wollen uns in der Gesellschaft zeigen’, also ganz integrierte Menschen, angesehene Menschen sein.“ Wichtig waren deshalb auch die Räumlichkeiten, „dass die Frauen von der Straße aus in einen schönen Raum gingen“. Logo und Briefpapier mussten auffallend und ansprechend gestaltet sein: „Man darf es nicht mehr vergessen!“ Diese Form des Sichtbarwerdens wurde von den Besucherinnen honoriert: „Von außen gab es einen Riesenzuspruch!“
„Es war einfach diese Aufbruchszeit“, beschreibt Ute und gleichzeitig, dass es heute eben nicht mehr so ist. „Damals war genau die Zeit, in der die Frauen darauf gewartet haben, dass das jemand so vorbereitet. Wie willst du das heute noch machen? Das ist schwer. Wegen dieser Diskussionen: Was wollt ihr denn noch, es ist doch alles in Ordnung, man kann doch jetzt Außenminister, Schauspieler oder Fernsehmoderator werden. Aber so im Kleinen hinzugucken, was da verbessert werden kann, das ist schwierig.“
Auch Beatrix ist überzeugt von der Aktualität von LIBS als damals wie heute wichtigem politischen und persönlichen Raum: „Das hat etwas mit Identität zu tun und mich selber gespiegelt zu sehen. Die Notwendigkeit dafür ist nicht weg“, sagt sie und dass daran weder das Älterwerden noch der Lauf der Zeit oder gesellschaftlicher Wandel etwas ändert.
„Politik hat schon immer viel im Sichtbarmachen bestanden“, resümiert sie, was gegen den Rückzug spricht. Die Nische, das Versteck erzeuge höchstens „die Illusion von Geschütztheit“, bekräftigt auch Ute.
Lassen wir uns anstecken von den Powerfrauen von damals, um Präsenz, Stolz und gegenseitige Anerkennung in eine Zeit mitzunehmen, in der die Themen nicht neu, aber längst noch nicht abgehakt sind.