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Homosexualität und Fußball …

1. Juli 2014 von Lina S.

… oder doch eher “Mannschaft Homosexualität” gegen “Mannschaft Fußball”?

Im Januar 2014 wurden die Diskussionen über Homosexualität im Sport, insbesondere im Fußball, durch das Outing von Thomas Hitzelsperger angetrieben. Sein letzter Verein war der FC Evelton bis September 2013, als Hitzelsperger seine Karriere verletzungsbedingt beendete. Die Diskussionen um das Thema lassen nicht nach: Nach den Olympischen Spielen in Sotschi diesen Jahres, in welchen der eine oder die andere SportlerIn ihre Solidarität gegenüber Lesben und Schwulen zum Ausdruck brachte, stellt sich nun die Frage, weshalb Homosexualität im Fußball auch weiterhin ein Tabu-Thema ist.

Die Brisanz des Themas wird besonders bei den Spielen der Mexikaner deutlich. Die gröhlenden Fanchöre, die den gegnerischen Mannschaften geschlossen “puto” entgegenschreien, was übersetzt so viel wie „Schwuchtel“ heißt, zeigen dies mit Nachdruck: ”puta” in der weiblichen Form heißt so viel wie „Nutte“. Der Ausdruck, der angeblich nur darauf zielt, die gegnerische Mannschaft zu verwirren, wird in seiner Bedeutung wie „Schwächling“ verwendet. Die Gleichsetzung eines „Schwächlings“ mit „Schwulen“ zeigt deutlich, dass Homosexualität im Profisport noch immer keine Akzeptanz erfährt.

Auch die FIFA schürt die Diskussion um Homosexualität im Fußball weiter. Ihr Argument: Da das Wort “puto” lediglich dazu verwendet werde, den Gegner zu verwirren, und die Bedeutung nicht auf der Aussage der Homosexualität liege, sei es den Fans nicht untersagt, “puto” gemeinschaftlich zu schreien. Die mexikanische Antidiskriminierungsstelle hingegen übte diesbezüglich Kritik an der FIFA – zu Recht, wie ich finde.

Es fällt zudem auf, dass sogar innerhalb der deutschen Mannschaft und des Deutschen Fussbalbundes (DFB) gegensätzliche Ansichten vertreten werden. So beschrieb Jens Lehmann (Torwart beim Arsenal FC und Nationalspieler) Hitzelsperger als „Spieler, der erstens sehr intelligent ist, und zweitens von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass man hätte denken können, da ist irgendetwas“. Vorurteile, die wiederum der DFB zu beseitigen versucht, indem er z. B. die Broschüre „Fussball und Homosexualität“ herausgab (nachzulesen unter http://www.dfb.de/uploads/media/Informationsbroschuere_Fussball_und_Homosexualitaet_01.pdf
Stand: 30.06.2014).

Die Forderung nach Toleranz und Akzeptanz muss wohl notwendigerweise weiterhin formuliert werden. Ein Ende der Diskriminierung Homosexueller im Sport ist ebenfalls noch nicht abzusehen. Solange sich jedoch ein intolerantes Verhalten bei internationalen Verbänden wie der FIFA finden lässt, bleibt es wohl nur jedem selbst überlassen, dieses Verhalten zu akzeptieren oder sich durch Nichtbeteiligung bzw. Erheben der eigenen Stimme gegen Entscheidungen wie die der FIFA zu äußern und die Diskussion um Lesben und Schwule im Sport voranzutreiben!

Quellen:

http://www.weltfussball.de/spieler_profil/jens-lehmann/ (Stand: 30.06.2014)
http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hitzlsperger#Verein_2 (Stand: 30.06.2014)
http://www.dfb.de/uploads/media/Informationsbroschuere_Fussball_und_Homosexualitaet_01.pdf (Stand: 30.06.2014)
http://www.zeit.de/2014/03/homosexualitaet-profifussball-thomas-hitzlsperger (Stand: 30.06.2014)
http://www.l-mag.de/news-1010/fifa-erlaubt-homophobe-sprechchoere.html (Stand: 30.06.2014)

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