LIBS Blog

Der Blog für lesbische und bisexuelle Mädchen, Frauen und Transgender

CSD – LIBS-Nachlese

22. Juli 2016 von libs

2011 hatte sich LIBS eine “Denkpause” erlaubt, weil sich der Verein nicht mit dem Motto “Einigkeit und Recht auf Gleichheit” identifizieren konnte. Weil das damalige Motto zu nationalistisch klang und uns die Diskussion über rechte Strömungen und Rassismus – auch innerhalb der Szene – fehlte. Aber auch: Weil es damals keine Bereitschaft der CSD-Veranstalter_innen gab, mit uns und anderen Kritiker_innen des Mottos eine Diskusssion zu führen.

Dieses Jahr war die Situation anders. Wir hatten das politisch motivierte Motto: Liebe gegen Rechts. Und im Vorfeld hatte schon das ursprüngliche Motto “Lieb geil” mit Nazi-Schrift und einer begleitenden Hitlerkarikatur als Beigabe viele Diskussionen entfacht. Das ursprüngliche Motto “Lieb geil” hatten so viele Personen und Vereine problematisch gefunden, dass Protest, Boykott und Gegenaktionen zu erwarten waren und so das Motto glücklicherweise geändert wurde. Vielleicht hätten wir das vorher diskutieren sollen.

Mit “Liebe gegen Rechts” konnten die meisten offensichtlich leben. Die hohen Besucherzahlen zeigen, dass CSD funktioniert. Aber funktioniert auch die Community, für die der CSD ja irgendwie steht? Einigkeit wurde 2011 proklamiert, aber was genau ist damit eigentlich gemeint? Es scheint, als hätte die eindeutige Positionierung des Frankfurter CSD gegen Rechts die Einigkeit der LGBT*-Community wieder hergestellt. Zumindest hat sie einen sehr breiten gemeinsamen Nenner geschaffen.

Treffpunkt für die Schulkinder aus Regenbogenfamilien am LIBS-Stand: Spaß bei gemeinsamer Button-Herstellung am Samstag

Vielleicht deshalb, weil die Welt es erfordert: Mehr rechte Demagogie und Gewalt bedeuten auch mehr offene Homophobie und Agitation gegen lesbische, trans* und schwule Lebensweisen. Es bedeutet: Mehr persönliche Beleidigung, Kränkung und Verfolgung von LGBT* in der Realität und im Netz, z.B. auch von Einzelpersonen, wie wir es schon in der Debatte um sexuelle Vielfalt in der Bildung in Baden-Württemberg erlebt haben. LGBT*-Personen und Unterstützer_innen könnte genau das wieder zusammenbringen – gegen das, was sich in der Gesellschaft zusammengebraut hat. Viele reden davon, dass LGBT* nun alles erreicht hätten. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus: Es darf ganz offen gegen LGBT* und andere Minoritäten gehetzt werden.

LIBS bekommt einen Scheck, eine Spende von 1000 EUR vom CSD-Verein - wir freuen uns!

Es ist nicht gut, dass es diesen Backlash gibt. Aber es ist gut, das klar zu benennen und sich dagegen zu stellen. Dafür müssen wir nicht alle gleich und einig sein. Im Gegenteil: Je vielfältiger, desto besser. Dafür ist es aber erforderlich, breit zu denken. Und miteinander zu reden. Das ist komplex, vielleicht auch kompliziert. Aber es könnte ein Lernprozess sein und die LGBT*-Community wirklich in die Realität bringen – nicht nur als sprachliche Konstruktion in Zeitungen und Reden, sondern auch als agierende Gruppe. Dazu würden auch Unterstützer_innen wie Mütter und Väter von Lesben, Schwulen, trans* und queer Personen gehören – z.B. als Fußgruppe auf dem CSD. Oder die Chef_innen und Kolleg_innen in offener solidarischer Aktion, gern mit eigenem Wagen. Es muss ja nicht der Firmenwagen sein. Das wäre eine echte konzertierte Demonstration von Vielfalt. Davor wäre allerdings noch einiges zu besprechen.

CSD in der Hessenschau: http://hessenschau.de/panorama/csd-feiert-liebe-gegen-rechts,csd-frankfurt-100.html

CSD-Homepage: http://www.csd-frankfurt.de/

CSD in der FR: http://www.fr-online.de/frankfurt/csd-in-frankfurt-regenbogenfarben-auf-dem-roemer,1472798,34505440.html

LIBS-Stellungnahme zur Änderung des CSD-Mottos: http://libs.w4w.net/index.php/veranstaltungen/csd-motto-stellungnahme

Abgelegt in Allgemein


Kommentarfunktion ist deaktiviert