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Lesbisch älter werden und alt sein

26. Oktober 2016 von libs

Am Samstag, den 22. Oktober, wird der Offene Treff von LIBS für die jungen Lesben umfunktioniert: Das Thema ist “Lesbisch älter werden und alt sein – wie wollen wir uns vernetzen, wohnen leben?” Eine Tagesveranstaltung von LIBS e.V., gefördert  vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und in Kooperation mit dem Dachverband “Lesben und Alter” – für “älter werdende Lesben”. Kommt das an? Das haben wir uns im Vorfeld gefragt. Aber ja: Es kommt gut an. Es sind 27 Teilnehmende an diesem Tag, die zuhören, plaudern, sich aktiv einbringen und sich vernetzen wollen.

Möglichkeiten und Grenzen der Netzwerkarbeit – Fraueninitiative 04

Die Referentinnen des Vormittags, Birgit Erlenbruch und Ziriah Voigt, berichten von den Vernetzungswegen der Fraueninitiative 04. Im Dialog beschreiben sie die Anfänge und Entwicklung der bundesweiten Initiative, die sich für würdevolle Pflege für Frauen/Lesben, bei Krankheit und im Alter einsetzt. Strukturen sind entstanden, regionale Initiativen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Unterstützungsbedarfe, Tod und Sterben, auch Spiritualität. Bundesweit findet jährlich ein Fachtag zu einem Thema statt, in diesem Jahr “Forever young”. Beide Referentinnen sind in der Regionalgruppe Eifel aktiv, Ziriah Voigt ist Mitgründerin. Sie berichten von konkreten Erfahrungen ihrer Arbeit, z.B. wann Unterstützung für eine Frau mit Pflegebedarf an die Grenzen einer Initiative stößt. Das Thema “Unterstützungsbedarf” wird in Arbeitsgruppen vertieft. Hier wird deutlich, dass es ein starkes Interesse an unterstützenden Netzwerken gibt, dass aber auch die Grenzen und Probleme benannt werden müssen, die private Hilfeleistungen mit sich bringen. So kann sich eine Teilnehmerin gut vorstellen, ehrenamtlich psychologische Beratung anzubieten, während eine andere sich einbringen möchte, indem sie Einkäufe oder andere praktische Verrichtungen erledigt. Wichtig ist, dass nicht nur die Bedürfnisse der Hilfesuchenden gesehen werden, sondern auch die Möglichkeiten und Grenzen derjenigen, die unterstützen möchten.

Besuchsdienst und Wohnprojekt – RuT Berlin

Dieses Thema wird wieder aufgegriffen im zweiten Beitrag von Jutta Brambach, Leiterin von RuT e.V., und Sabine Thomsen, beide sind im Vorstand des Dachverbands Lesben und Alter aktiv. Der Besuchsdienst im RuT funktioniert gut, berichtet Jutta Brambach, nachdem nach einer schwierigen Anfangsphase Strukturen und Kommunikationen erarbeitet wurden. Es braucht eine Personalstelle, die dem RuT auch bewilligt wurde, um die im Besuchsdienst tätigen Ehrenamtlichen zu organisieren und zu unterstützen. Beim Besuchsdienst können sich Frauen melden, die gern zu Hause besucht werden möchten. Mit ihnen wird ein Gespräch geführt, um eine Einschätzung zu erhalten, ob der Besuchsdienst das Gewünschte erfüllen kann oder ob andere Unterstützung gefordert ist. Mittlerweile gibt es gute Erfahrungen damit, es werden aber noch Frauen gesucht, die ehrenamtlich mitarbeiten.

Die Resonanz der Teilnehmerinnen auf dieses Thema ist groß. In der abschließenden Diskussion wird der Wunsch geäußert, solch einen Besuchsdienst auch in Frankfurt zu etablieren. Abgucken könnte frau sich etwas von den Rosa Paten, dem schwulen Besuchsdienst, der vom Schwulen Zentrum der AIDS-Hilfe unterstützt wird.

Das erste Frauen-Lesben-Wohnprojekt von RuT ist ein Mietwohnungsneubau in Form einer gemeinnützigen GmbH für frauenliebende Frauen (nicht nur) im Alter mit einer Pflege-WG. Jutta Brambach berichtet hier Gutes wie weniger Gutes: Interessierte Frauen sowie ausgearbeitete Pläne sind vorhanden, die Finanzierung steht und die Stadt unterstützt das Projekt. Allerdings befinden sich alle Beteiligten in Wartestellung, weil noch kein geeignetes Grundstück für den Bau gefunden werden konnte. Wir drücken alle Daumen, damit es bald weitergeht und die besonders für pflegebedürftige Interessentinnen zermürbende Wartesituation ein Ende hat.

Und Frankfurt? – Eigeninitiative ist gefragt

Wie sieht es nun in Frankfurt mit Angeboten, Ideen, Projekten von und für ältere und alte Lesben aus? Nicht so gut, konstatiert Moderatorin Dr. Doris Gruber von LIBS e.V. Es gibt die offene LIBS-Gruppe für Lesben 45+, es gibt Themenschwerpunkte bei LIBS-Veranstaltungen wie Vorsorge, Sterben, Trauer – aber das sind generationenübergreifende Themen. Speziell zum Thema Pflege und Unterstützungsbedarfe fehlen lesbensensible Angebote. Auch andere Ideen wie ein Treffpunkt speziell für ältere Lesben werden angeprochen. Zeit, sich zusammenzutun und zu überlegen, welche der Ideen für lesbisch lebende Frankfurterinnen gut und wichtig – und umsetzbar – ist. Der Vorschlag, dazu eine Initiative zu gründen, um konkrete Projekte angehen zu können, wurde von vielen begrüßt. Es geht also weiter – Zeit, aktiv zu werden!

Wer weitere Infos zum Thema haben möchte und sich für die Initiative “Lesbisch älter werden” interessiert: info@libs.w4w.net

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